Waschti, der Ausreißer







Waschti, der kleine Braunbär, saß missmutig und grantig vor der Bärenhöhle.
Seine Mutter hatte wieder einmal mit ihm geschimpft, als er vom großen Honigtopf in der Speisekammer naschen wollte.

Nichts konnte er ihr recht machen dachte er zornig.
Ständig sagten ihm die Erwachsenen ,was man zu tun oder zu lassen hatte.
Als ob erwachsene Bären keine Fehler machen würden, aber niemand , machte ihnen dann einen Vorwurf und am Ohr zog sie auch keiner.
Waschti hatte die Nase gestrichen voll davon.

Er beschloss deshalb, von Daheim fortzulaufen und in der großen weiten Welt sein Glück zu finden.
Sollten doch die Erwachsenen sehen wie sie ohne ihn zurecht kamen.

Heimlich, damit keiner es merkte, machte er sich Richtung Wald, auf den Weg.
Als er sich umdrehte und zur Bärenhöhle zurückblickte, musste er schon ein paar Tränen vergießen, so leicht fiel es ihm nicht alle zu verlassen, aber sein Trotz war stärker und er lief weiter.

Er hatte vor, seinen Freund Hoppel , das Kaninchen, mit auf die Wanderschaft zu nehmen.
"Magst du nicht mit mir in die weite Welt ziehen?" fragte er Hoppel schon von weitem, als er zu seinem Haus lief.
Aber Hoppel wollte nicht mit ihm mitgehen, seine Mutter hatte gerade einen großen Sack Karotten mitgebracht, und die aß er für sein Leben gern.
"Dann eben nicht", dachte der kleine Bär grimmig, "dann geh ich eben ganz allein."

Schnurstracks stapfte er in den Wald.
Was gab es da nicht alles zu sehen.
Eine Weile lief er hinter Schmetterlingen her, danach beobachtete er die Eichhörnchen, und als er Hunger bekam, holte er sich Honig aus einem alten Baum, in dem Bienen hausten.

Immer wieder sah er etwas Neues, das ihm Spaß machte.
Lange Zeit ging das so und er konnte gar nicht genug bekommen, bis er mit einem Male merkte, dass er in einen Teil des Waldes angelangt war, wo er noch nie zuvor gewesen war.

Hier war der Wald dunkel und geheimnisvoll und Waschti sah keine bekannten Plätze mehr.
Jetzt bekam er es aber doch mit der Angst zu tun, er hatte sich im Wald verirrt.
Nun ging bereits die Sonne unter und im Wald wurde es dunkler und dunkler.
Waschti wünschte sich jetzt in der warmen Bärenhöhle zu sein, er war jetzt gar nicht mehr an der großen, weiten Welt interessiert.

Aber so sehr er sich auch anstrengte, er konnte den Weg, den er gekommen war, nicht mehr finden.
Mit der Dunkelheit, veränderten sich auch die Geräusche des Waldes und Waschti fürchtete sich so allein inmitten des finsteren Waldes.
Ganz eng an einen Baumstamm gedrückt, setzte er sich auf den weichen Waldboden.

Die Augen wollten ihm vor Müdigkeit zufallen, als er ein lautes:" Huhhuhhu", im Baum über sich, hörte.
Erschrocken schrie er auf ," was das wohl gewesen war?"

Ob es hier im Wald Gespenster gab?

Noch einmal ein lautes : "Huhhuhhu!"
Nein, es war nur eine Eule, die gerufen hatte.
Waschti hörte viele Geräusche, die ihm Angst machten, Rascheln im Gebüsch , das Knacken von Zweigen als kleine Tierchen durchs Unterholz krochen.

Angespannt horchte er in die Nacht, und versuchte wach zu bleiben, aber vor lauter Müdigkeit schlief er ein.

Ein lautes Knacken von zertrampelten Zweigen riss ihn aus seinen kurzen Schlaf.
Vor lauter Angst hielt Waschti die Luft an, als er die Stimme seines Vater laut nach ihm rufen hörte.
Seine Eltern hatten sich große Sorgen gemacht, als sie merkten, dass er ausgerissen war. Sie hatten sich sofort auf den Weg gemacht, ihn zu suchen. "Papa", schrie Waschti vor Erleichterung, so laut er konnte, "Papa, ich bin hier!"

Nun begann er zu weinen und glücklich, gefunden worden zu sein, ließ er sich von seinem Vater in die Arme nehmen und nach Haus tragen.

Die weite Welt interessierte ihn nicht mehr, Zuhause war es doch am schönsten.



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