Tasos will nicht in den Kindergarten

Heute war ein unruhiger Tag im Kindergarten, Tassos hatte es gleich bemerkt als er in die Gruppe kam.
Er verzog sich daher lieber in eine Ecke des Spielzimmers und beobachtete die Kinder.
Seit einem halben Jahr lebte er nun mit seinen Eltern in Wien und es gefiel ihm eigentlich ganz gut.
Natürlich vermisste er seine Freunde in Griechenland und das Meer, aber Wien war auch schön.
„Wenn nur der verflixte Kindergarten nicht gewesen wäre“, dachte er.
Tassos hasste es aus tiefsten Herzen, seit drei Wochen in den Kindergarten gehen zu müssen.
Leider musste seine Mutter arbeiten und er konnte nicht zu Hause bleiben.
Stumm saß er in seiner Ecke und beobachtete wie sich der dicke Karl und der kleine Georg um ein Auto stritten,
das Georg zuerst genommen hatte.
Sicher bekam wieder Karl das Auto, denn er war viel stärker als Georg.
Und genauso kam es auch.
Karl riss Georg das Auto aus der Hand und stieß ihn zu Boden.
Dort saß Georg nun und weinte.
„Ist was, oder warum guckst du so“, fragte Karl angriffslustig zu Tasos hin.
Der schüttelte aber nur stumm den Kopf.
Er konnte den dicken Karl nicht leiden, der immer alle Kinder tyrannisiert, nur weil er der Stärkste war.
Auch er wurde oft von Karl verspottet.
Weil er noch nicht so gut Deutsch sprechen konnte und aus einem anderen Land kam.
„Hoffentlich kann ich bald nach Hause gehen, ich will da nicht bleiben“, dachte Tasos verzweifelt.
Als ihn seine Mutter dann abholte, meinte er trotzig:“ Ich gehe nicht mehr in den Kindergarten, nie mehr!“
„Aber Agapi mou“, rief seine Mutter erstaunt, was mein Liebling, auf griechisch bedeutete, “was ist denn los, ich dachte es gefällt dir hier.“
„Nein“, Tassos stampfte mit seinen Fuß auf, „ die Kinder sind gemein und spielen nicht mit mir, weil ich nicht so spreche wie sie.
Und Ausländer schimpfen sie mich auch.“
„Das ist ein ernstes Problem, ich werde gleich morgen mit der Kindergartentante reden“, sagte seine Mutter und sah ihn traurig an.
Am nächsten Morgen, nahm seine Mama einen geheimnisvollen dicken Briefumschlag mit in den Kindergarten.
Sie unterhielt sich lange mit der Kindergartentante und gemeinsam gingen sie dann in das Spielzimmer.
„Kinder“, rief die Tante und klatschte in die Hände, „ setzt euch alle im Kreis zu mir, ich möchte mit euch reden.
Im Nu saßen alle Kinder im Halbkreis um die Kindergartentante und um Tassos Mutter.
„Ich möchte euch Frau Jouliu vorstellen, sie ist die Mutter von Tassos und hat uns Fotos und Musik von ihrer Heimat, Griechenland mitgebracht.
Wer von euch hat schon einmal seinen Urlaub in Griechenland verbracht?“ fragte die Tante.
Eine ganze Menge Hände fuhren in die Höhe und die Kinder begannen nacheinander von Griechenland zu erzählen.
Während alle die Bilder dazu betrachteten und griechische Musik hörten.
Tassos war so glücklich endlich auch über sein Heimatland erzählen zu dürfen, wie er im Meer geschwommen und getaucht war, von seinen vielen
Freunden und wie schön es dort war.
„Du kannst schon schwimmen?“ meldete sich der dicke Karl zu Wort, und sah Tassos mit anerkennenden Blick an.
Es imponierte ihm, dass ein kleiner Junge schon schwimmen und tauchen konnte, denn er konnte es noch nicht.
„Ja, schon lange“, antwortete Tassos stolz.
Er freute sich mächtig etwas besser als die anderen zu können.
Alle bombardierten Tassos mit Fragen und mit einem Mal, störte es gar nicht mehr, dass er ihre Sprache nicht so gut sprechen konnte.
„Kennst du vielleicht Spiele aus deiner Heimat, die du uns zeigen kannst?“ fragte die Tante.
Tassos hatte vor Aufregung und Freude ganz rote Backen bekommen und bemühte sich den anderen Kindern Spiele zu erklären, die er in seiner Heimat mit seinen Freunden gespielt hatte..
Er hatte gar nicht bemerkt, dass seine Mutter inzwischen gegangen war, so sehr war er vertieft gewesen.
Als er abends abgeholt wurde, hüpfte ein quietschvergnügter Tassos seiner Mutter entgegen.
Er hatte einen aufregenden, schönen Tag hinter sich.
Der dicke Karl, der zur selben Zeit abgeholt wurde, zog sich gerade seine Schuhe an und berichtete dabei stolz seinem Vater:“
Das ist Tasos, mein Freund, er kommt aus Griechenland, können wir da auch einmal hinfahren?
Yassu, Tassos“, rief er ihm zu als er ging.
„Das heißt tschüss“, erklärte er wichtig.
„Yassu“, rief Tassos glücklich zurück.
Von nun an ging er gerne in den Kindergarten, denn er hatte endlich viele Freunde gefunden, die ihn so akzeptierten wie er war.
zurück
|