Das ungeduldige Pfirsichbäumchen

Seit Seit Tagen schien die Sonne und der Winter war, wie es schien, nun endlich vorbei.
Alle Menschen freuten sich auf den Frühling, denn es war die Jahreszeit nach dem kalten, langen Winter,
die endlich wieder die Sonne scheinen ließ und bei der es nicht mehr so kalt war.
Obwohl es natürlich auch im Frühling einige kalte Tage gab, manchmal sogar noch ein wenig Schnee.
Menschen und Pflanzen warteten schon so lange auf die wärmenden Strahlen der Frühlingssonne.
Die Menschen freuten sich, da sie nun wieder ihre dicke Winterkleidung ablegen und draußen im Sonnenschein
spazieren gehen konnten, und die Pflanzen und Bäume, weil sie ihr wunderbares Blütenkleid zeigen durften.
Nur im Frühling durften sie sich damit schmücken.
Wer sollte sich da nicht auf den Frühling freuen?
Inmitten eines Gartens, umgeben von großen, alten Obstbäumen, wuchs ein kleines Pfirsichbäumchen.
Die letzten Tage waren sehr warm gewesen ,die Bäume hatten alle Knospen bekommen, und es sollte nicht mehr lange dauern,
da würden sie ihre Knospen öffnen und würden die schönsten Blüten tragen.
Das kleine Pfirsichbäumchen reckte und streckte seine dünnen Äste der Sonne entgegen und wartete schon ganz aufgeregt
darauf, endlich blühen zu dürfen.
"Wann ist es denn nun soweit, rief es ungeduldig den alten Bäumen zu, wann darf ich denn meine Knospen öffnen und blühen?"
"Nur Geduld, knarrte der alte Kirschbaum mit seiner mächtigen Baumkrone, nur noch ein paar warme Tage, deine Zeit kommt bald."
"Warum muss ich denn noch warten, maulte das kleine Bäumchen, ich möchte dass alle meine Blüten sehen und staunen, wie hübsch ich anzusehen bin.
Ich, möchte der schönste Baum im Garten sein"
"Wir müssen alle noch ein wenig warten, säuselte der Marillenbaum, denn im Frühling gibt es manchmal noch einige sehr kalte Tage,
die Sonne ist noch nicht so stark dass sie alle Schneewolken vertreiben kann, es kann sogar noch einmal schneien.
Ich habe das schon öfter erlebt.
Du willst doch nicht, dass deine zarten Blüten erfrieren müssen."
"Aber es ist doch so warmes Wetter und ich sehe keine Schneewolken, warum sollte es denn noch einmal kalt werden," sagte das kleine Bäumchen trotzig,
während es sich reckte und den blauen Himmel neugierig betrachtete, auf dem kein Wölkchen zu sehen war.
"Hab noch ein wenig Geduld, rauschte der Apfelbaum, bald ist es ja soweit."
Oh je, ob das gut gehen würde? Geduld war etwas, dass das kleine Bäumchen absolut nicht hatte.
"Ich will aber nicht abwarten, ich will jetzt blühen, dachte es eigensinnig.
Die alten Bäume verbieten es mir sicher nur deshalb, weil sie nicht wollen, dass ich schöner bin als sie."
Es reckte und streckte sich, und ehe man sich versah, begann es vorsichtig seine kleinen Knospen zu öffnen und
zartrosafarbige Blüten hinaus zu strecken.
"Nicht, riefen die alten Bäume besorgt, tu das nicht, es ist noch zu früh zum Blühen!"
Sie waren sehr besorgt um das kleine Bäumchen, sollte es wirklich kalt werden, so wären seine zarten Blüten ungeschützt
und würden in der Kälte erfrieren müssen. Sie hatten schon sooft den Frühling erlebt und wussten wie kalt es noch werden konnte.
Vor allem aber kannten sie die Ungeduld des kleinen Bäumchens, was ihnen sehr große Sorgen machte.
Plötzlicher Schneefall würde seine zarten Blüten zerstören , denn dann wäre es völlig ungeschützt.
Doch wie sollten sie nur das kleine Bäumchen überzeugen dass es besser war zu warten?
Das Bäumchen beachtete nicht die Besorgnis der alten Bäume.
"Ich kann nicht mehr warten, rief es aufgeregt, und ich will es auch gar nicht."
In kurzer Zeit, blühten die wunderschönsten Blüten an den dünnen Ästen des Bäumchens, es sah wirklich prächtig aus in seinem
rosa Blütenkleid. Die Menschen die am Gartenzaun vorüber gingen, blieben stehen und freuten sich den ersten blühenden Baum zu sehen.
Aber ein wenig wunderten sie sich schon, dass der kleine Baum so früh blühte.
Die alten Bäume schüttelten nur missbilligend ihre Äste über soviel Ungeduld, denn sie wussten, dass es noch zu früh war.
Ich bin der schönste Baum im ganzen Garten, rief das Pfirsichbäumchen, ja sogar von der ganzen Welt.
" Nachmittags versteckte sich die Sonne immer wieder hinter dunklen Wolken und abends, wehte ein kalter Wind, der immer eisiger wurde.
"Was passiert da, mir ist ja so kalt, schrie das kleine Bäumchen aus Leibeskräften, als die ersten Schneeflocken fielen, während es
zitternd die dunklen Schneewolken betrachtete.
"Wieso schneit es denn auf einmal, so helft mir doch, meine wunderschönen Blüten müssen ja erfrieren, weinte das Bäumchen verzweifelt."
"Wir können dir nicht helfen, knarrte der Kirschbaum, was sollen wir denn tun?
Ja, was sollten sie denn wirklich tun?
Das kleine Bäumchen jammerte und weinte, während sich sein dünnen Äste unter der Schneelast bogen, hätte es doch nur
auf die Warnungen der alten Bäume gehört.
Traurig schluchzte es vor sich hin, es war wirklich ein Jammer.
Die alten Bäume hatten großes Mitleid mit dem kleinen Bäumchen, doch helfen konnten sie ihm auch nicht.
Am nächsten Morgen hatte es aufgehört zu schneien und als die Sonne hervorkam, schmolz der ganze Schnee weg.
Das kleine Bäumchen stand nass und zerzaust inmitten des Gartens, seine rosa Blüten waren vom Schnee ganz nass
und vom starken Wind ganz zerrupft.
Als der Schnee schmolz tropften große Tropfen von den Blüten und es sah aus, als ob das Bäumchen weinte.
Und genau das tat es auch.
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