Engel sind überall !



© Copyright 2003  Shanna  (Birgit),




Riana saß traurig auf der Mauer vor dem Haus. „Jetzt ist Vater schon 2 Tage weg, dass muß doch lange genug sein, um dem König zu helfen, oder ?“ dachte sie.

Vor einigen Tagen war die Welt noch in Ordnung gewesen. Sie hatte ihren Vater bei sich, der mit ihr spielte sobald es seine Zeit irgendwie erlaubte. Viele lustige Spiele hatten sie zusammen erfunden und jedes Mal hatten sie viel Spaß mit einander gehabt bis vor drei Tagen der Vater sehr ernst von der Ratsversammlung gekommen war.
„Es gibt Ärger !“ Hatte er zu ihrer Mutter gesagt und dann hatten sie lange getuschelt. Riana hatte schon vermutet, dass das nichts gutes bedeuten konnte. Das hatte sich auch bestätigt, als ihr Vater an dem Abend zu ihr kam, um mit ihr zu sprechen.


„Riana, mein Sternchen, wir müssen etwas besprechen.“ Hatte er angefangen. „Ich werde für einige Zeit nicht da sein und ich möchte, dass Du in der Zeit für Deine Mutter da bist und ihr ohne maulen hilfst. Der König braucht meine Hilfe und ich hab ihm vor langer Zeit versprochen, dass ich ihm zu jeder Zeit helfen werde. Und ein Versprechen darf man nicht brechen.“ Er guckte sie fragend an. „Verstehst Du das ?“
Riana verstand nur, dass ihr Vater nicht da sein würde und sie wüsste nicht mal wie lange...
„Vater, warum kannst Du dem König nicht sagen, dass Du eine kleine Tochter hast, die Dich braucht ?“ fragte Riana.


„Weil ich das Versprechen schon vor langer Zeit gegeben habe und ich wusste, dass ich es einlösen muss, auch wenn ich viel lieber bei Euch bleiben würde. Aber Versprochen ist versprochen !“
Riana sah es nicht ganz ein, aber sie überlegte kurz und sagte dann: „Gibst Du mir dann auch ein Versprechen ? Versprichst Du mir, dass Du so schnell wie möglich wieder kommst ?“
Sie sah erwartungsvoll ihren Vater an. „Natürlich, nichts könnte mich davon abhalten wieder zurück zukommen. Ich werde bald wieder da sein. Egal, was passiert, ich werde da sein ! Das verspreche ich Dir !“
Zufrieden kuschelte sich Riana bei ihrem Vater in den Schoß. „Gut, dann darfst Du gehen.“, sagte sie.
„Morgen früh werde ich ganz früh aufbrechen, wahrscheinlich schläfst Du noch. Denk oft an mich, denn ich werde auch oft an Dich denken.“ Gab er ihr noch mit auf den Weg.


Am nächsten Morgen als sie aufwachte, war er schon aufgebrochen. Den Tag über versuchte sie sich mit den gleichen Spielen zu beschäftigen, die sie beide immer gespielt hatten, aber ohne ihn, war es einfach nicht das gleiche. Abends vorm zu Bett gehen, hatte sie ihre Mutter gefragt, wann denn Vater dem König genug geholfen hätte, aber Mutter konnte es ihr auch nicht sagen. Und nun saß sie hier, langweilte sich und wartete auf ihren Vater.
Der zweite Tag verging und der dritte Tag. Am vierten Tag saß Riana wieder auf der Mauer, als ein Reiter kam und vor ihrem Haus anhielt. Er ging zu ihrer Mutter und gab ihr einen kleinen Brief. Als ihre Mutter ihn aufgerissen und gelesen hatte, brach sie auf einmal in Tränen aus. Sie bedankte sich bei dem Reiter und rief nach Riana.


Erschrocken über den Tränenausbruch lief Riana sofort zu ihrer Mutter. Diese kniete sich zu ihr auf den Boden, nahm sie auf den Schoß und fing an zu erzählen....
„ Es war einmal ein tapferer Krieger, der aufbrach seinem König zu helfen und für Gerechtigkeit zu kämpfen. Lange waren er und die anderen, die ebenso helfen wollten, unterwegs gewesen und seine Gedanken weilten immer wieder bei seiner Familie, die er zu Hause zurücklassen musste. Viel lieber wäre er jetzt dort gewesen. Aber es ging nicht. Als sie auf ihre ersten Feinde trafen, gab es einen wilden Kampf und er spürte plötzlich, wie ihm etwas traf und ihm schwarz vor Augen wurde. Dann sah er helles weißes und freundliches Licht und eine weiße Gestalt kam auf ihn zu. „Hallo, mein Freund,“, sagte sie zu ihm, „Du bist in einem Reich, wo es keine Schmerzen und kein Leid mehr gibt. Du bist frei zu entscheiden, wo Du hin möchtest und was Du tun möchtest.“


Der Krieger sah sich um und erblickte nur weißes helles und warmes Licht. „Sag, wo genau bin ich ? Und was ist mit meinem Körper geschehen ?“ fragte er, als er an sich hinunter sah.
„Erschrecke nicht, Dein Körper liegt dort, wo er verwundet wurde, doch Du, Deine Seele, ist wieder zurückgekehrt in unser Reich. Du hast gelernt in diesem Leben, was Du lernen solltest, und Du hast getan, wozu Du gelebt hast. Nun darfst Du wählen. Möchtest Du von allen Sorgen befreit in diesem Reich wandeln, möchtest Du etwas weiteres lernen oder was begehrst Du ?“ fragte diese weiße Gestalt, die immer mehr wie eine wunderschöne groß gewachsene zierliche Frau aussah.
Der Krieger überlegt nicht lange: „Wenn Du mich so fragst und ich wählen kann, dann möchte ich bei meiner Tochter Riana und meiner Frau sein. Ist das möglich ?“
Die weiße Gestalt lächelte mild. „Natürlich, Du darfst Ihr Schutzengel sein und ihre Wege begleiten und sie behüten solange Du willst!“
Die Gestalt machte eine kleine Pause. „Aber bedenke, dass sie Dich nicht sehen können. Manchmal können sie Deine Gegenwart fühlen, aber sie werden Dich nicht sehen können.“
Eindringlich sah die weiße Gestalt ihn an. „Willst Du das ?“
Der Krieger überlegte nicht lange. „Ja, das will ich, ich habe meiner Tochter ein versprechen gegeben und selbst wenn ich es nicht gegeben habe, ich möchte sie aufwachsen sehen und wenigsten so für sie da sein.“
„So sei es !“, sagte die weiße Gestalt mit gebieterischem Ton und sanfte fügte sie hinzu, „ich hab auch schon von Begebenheiten gehört, dass Menschen so was wie Dich kurz sehen konnten, aber ich selbst habe es noch nicht erlebt.“
Sie wandte sich in eine Richtung. „Gehe diesen Pfad entlang, er wird Dich direkt zu Deiner Familie führen! Ich wünsche Dir viel Glück !“
Der Krieger sah den Pfad hinunter. „Ich danke Dir !“ , doch als er sich umwandte, ging die Gestalt schon in das weiße Licht.

Diesmal schauten flügelgleiche Gebilde aus dem schmalen Rücken hervor und ein sanftes warmes Lachen war zu hören. „Viel Glück !“ drang noch leise an sein Ohr....
Er ging den Pfad entlang und war kurze Zeit später bei seinem vertrauten Haus, seine Frau saß mit seiner Tochter auf dem Rasen und sie erzählte Ihr eine Geschichte.
Sie sahen beide sehr traurig aus und er setzte sich dazu, um sie zu trösten. Er wusste nicht recht wie, aber dann nahm er einfach beide in seinen Arm.“

Riana’s Mutter stockte kurz, sie hatte das Gefühl von Wärme und unendlicher Liebe und ein wenig Hoffnung keimte in ihr auf. Auch Riana hatte was gespürt, etwas Vertrautes, Warmes.
Riana’s Mutter fuhr fort, um die Geschichte zu beenden..
„Der Krieger blieb als Schutz bei seiner Familie und sah seine Tochter aufwachsen. Wann immer sie ihn um Rat fragte, versuchte er ihr irgendwie seine Antwort mitzuteilen. Auch seine Frau versuchte er zu unterstützen so gut er konnte. Er war für sie da und versuchte ihr zu zeigen, dass es ihm gut ging, wenn sie abends im Bett lag und verzweifelt war.
Er war bei seiner Familie und das zählte.“

Riana sah mit Tränen zu ihrer Mutter auf...“Ist Vater dieser Krieger ?“ , schniefte sie.
„Ja, mein Sternchen, das ist er !“ Und nahm ihre Tochter wiegend in den Arm.



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